Mittwoch, 26. August 2009

Puerto Rico, ich komme!

Nach langem Hin und Her habe ich mich nun doch dazu entschlossen, einen Blog zu schreiben. Auch wenn das vielleicht etwas spät ist - immerhin bin ich morgen schon drei Wochen lang hier - ist es ja noch nicht zu spät, um zu beginnen.

Wie alles begann...

Am 6. August um halb sechs Uhr in der Früh verließ ich - totmüde - das kleine Örtchen Wies, um gemeinsam mit meinen Eltern und Rainer nach Wien zum Flughafen zu fahren. Zum Glück hatte ich drei "Gepäckträger" mit - alleine hätte ich mit meinen Tonnen an Gepäck keine Chance gehabt. Etwas später kamen auch noch meine Tante inkl. Kusinen und Doris zum Flughafen.
Nach einem letzten Wiener Frühstück stand nun also der große Abschied bevor. Und ja, es war traurig - sehr traurig.

Ich bestieg also das erste Flugzeug, das mich nach Düsseldorf bringen sollte. Aus irgendwelchen Gründen startenten wir ca. 20 Minuten zu spät, was mich etwas nervös machte, da ich in Düsseldorf nicht allzu viel Zeit zum Umsteigen hatte. Endlich in Deutschland gelandet, eilte ich durch das riesige Flughafengelände zu meinem Gate, um dort festzustellen, dass - obwohl schon seit 25 Minuten Boarding sein sollte - das Flughafenpersonal noch keine Anstalten machte, das Gate zu öffnen. Glück im Unglück und ich nutze die Zeit für ein bisschen Duty-Free-Shopping! What else?

Nach endlosem Warten ging es also los. Im Flugzeug lernte ich einen ganz netten, 21jährigen Deutschen kennen, der ebenso wie ich zwei Tage alleine in Miami bleiben sollte. Der Flug verging im Großen und Ganzen wirklich "wie im Fluge" - schließlich musste ich ja zum einen mein Schlafdefizit aufholen und zum anderen wurde ich von AirBerlin mit "Nachts im Museum", Tomatensaft, Rotwein, Baileys und dergleichem ganz gut unterhalten.

In Miami angekommen erlebten wir zu aller erst einmal einen Hitzeschock. Obwohl es schon gegen 18:00 (Ortszeit) war, waren die Temperaturen einfach nur unmenschlich. Daraufhin durfte ich ein weiteres Mal Fingerabdrücke aller meiner zehn Finger abgeben und diverse Einreiseformalitäten hinter mich bringen - wie etwa Fragen zu meinen Absichten hier in den USA, meinen Spansichkenntnissen, Studienrichtung und noch diversen anderen Sachen, die die amerikanischen Behörden überhaupt nichts angehen, beantworten.
Nachdem ich mein Gepäck am Flughafen abgegeben hatten, suchten wir eine günstige Möglichkeit, um in die Stadt - genauer nach Miami Beach - zu kommen. Wir fanden schließlich auch eine Busstation und zufälligerweise zwei nette Brasilianerinnen, die gerade auf dem Weg nach Hause - nach Miami Beach - waren. Insgesamt warteten wir ca. 30 Minuten auf den Bus, bis wir beschlossen, doch ein Taxi zu nehmen. (Das Bussystem in Miami ist wirklich grottenschlecht!)

Endlich bei meinem Hostel angekommen, durfte ich feststellen, dass für eine gewisse Ms. Sofie W. hier kein Zimmer reserviert war. Nachdem ich dem Rezeptionisten meine Buchungsbestätigung vorlegte, stellten wir fest, dass ich wieder einmal eine wahnsinnig intelligente Aktion geliefert hatte und anstelle für den 6. August ein Zimmer für den 6. Juli gebucht hatte. Das kann wirklich nur mir passieren. Zu alle dem kommt noch, dass das Haus ausgebucht war und sie trotz meines allerliebsten Dackelblicks nichts für mich tun konnten.
Glücklicherweise wusste er gleich in der Nähe ein weiteres Hotel-Hostel, bei dem ich es versuchen konnte. Inzwischen war es schon dunkel und totmüde und verärgert ging ich die paar Blocks zu diesem anderen Haus. (Man hätte mir allerdings sagen können, dass man - auch wenn es nur ein paar Blocks waren - zirka 15 Minuten unterwegs ist.)
Glücklicherweise war hier noch etwas frei! Natürlich war an Schlaf nicht zu denken, nach einem kurzen Anruf in Österreich und einer Dusche ging es schon wieder los. Immerhin wollten wir (der Deutsche und ich) noch ein bisschen die Stadt erkunden!

Miami

An diesem Abend schlenderten wir etwas durch das Party-wütige Miami Beach, gingen eine Kleinigkeit essen und setzten uns schließlich mit einer Flasche Corona (natürlich mit Papiertüte) an den Strand. Dieser Strand war ein Traum: Im Rücken die Skyline von Miami, vor uns das Meer, das selbst zu dieser späten Stunde noch unglaublich warm war und: Pärchen (von denen ich jedes einzelne verfluchte!).

Da unsere Interessen bzgl. Miami ziemlich weit auseinanderklafften, war ich den ganzen nächsten Tag alleine unterwegs. Ich fuhr in die Downtown, ging dort ein bisschen spazieren - die Stadt ist wirklich wahnsinnig modern - und fuhr schließlich ins Seaquarium. Leichter gesagt als getan: Denn der Busfahrer war scheinbar nicht sehr ortskundig und ich landete irgendwo. Allerdings war ich nicht die einzige mit diesem Problem - zwei Studentinnen aus der Slowakei hatten demselben Busfahrer vertraut. Gemeinsam gelang es uns schließlich doch noch zum Seaquarium zu gelangen, wo wir uns neben einer Piraten- und einer Seelöwenshow auch noch "Flipper und seine Freunde" gaben. Für die Killerwalshow waren wir - dank des Busfahrers - leider etwas zu spät.
Am Nachmittag fuhr ich noch ins kubanische Viertel Miamis, wo ich zum ersten Mal mit echtem Spanglish konfrontiert war. Ohne Spanisch zu sprechen wäre man hier ziemlich aufgeschmissen. Nachdem es in "Little Havanna" zwar ganz nett, aber auch nicht so aufregend war, fuhr ich am späten Nachmittag wieder zurück nach Miami Beach. Um dem Fastfoodwahnsinn der Amerikaner zu entgehen, ging ich in ein französisches Lokal, um Omletts zu essen. Zu meiner Bestürzung wurden allerdings sogar hier Chips als selbstverständliche "Beilage" serviert.

Auf nach San Juan

Am nächsten Tag durfte ich wieder so früh aufstehen. Im Nachhinein betrachtet viel zu früh wurde ich abgeholt und zum Flughafen gebracht. Dort angelangt stellte ich fest, dass ich doch nichts für mein Gepäck bezahlen muss - supi! Ewig lang wartete ich - trotz langer Hose und Jacke halb erfroren - am Flughafen, bis wir endlich (wiederum verspätet) losflogen.
Zum Glück war der Flug nicht allzu lang und schon bald konnte ich den ersten Blick auf "meine neue Heimat" erhaschen.

Endlich gelandet durfte ich festellen, dass es auf dem Flughafen in San Juan weder eine Ankunftshalle noch Gepäckwagerl gibt. Drei Mal durchatmen, Gepäck aufladen und los geht es - bei 35°. Eigentlich sollte ich ja abgeholt werden. Eigentlich. Bloß: Es war niemand da. Nachdem ich zirka 15 Minuten gewartet hatte, beschloss ich, mich noch weiter umzusehen. Mit meinem ganzen Gepäck marschierte ich also los und was fand ich? Es war ja doch jemand von meiner Uni hier! Warum sie mich nicht bei meinem Ausgang abgeholt haben? - Ich stand nicht auf der Liste! Das tat ihnen leid und sie entschuldigten sich hundert Mal dafür.
Nachdem auch noch die anderen Studenten - die allesamt sehr wohl auf der Liste standen - angekommen waren, fuhren wir mit einem Unibus (ja, soetwas gibt es hier!) zu den Studentenheimen. Wir standen vor einem 22 Stock hohen Turm, der nicht nur von außen ziemlich heruntergekommen aussah. An der Rezeption wurde mir allerdings wieder mitgeteilt, dass zwar sämtliche anderen Studenten (ausnahmslos Amerikaner) hier wohnen, nur ich nicht - ich stehe leider nicht auf der Liste! Viellleicht ist es ja das Studentenheim gegenüber. Ich lud also mein Gepäck wieder auf und ging zum anderen Haus. Ich gab dem Portier meinen Pass und - Überraschung - er konnte meinen Namen nicht auf der Liste finden. Er rief seine Kollegen an, die leider auch nicht wussten, was sie mit mir machen sollten. Langsam aber doch machte ich mir ernsthafte Sorgen. Hätte ich in Österreich noch irgendetwas erledigen müssen? Irgendeine Bestätigung einholen oder sonst etwas?
Schließlich gingen der Portier und ich noch einmal gemeinsam die Lieste durch und - mein Name stand sehr wohl da! Der Portier hatte die ganze Zeit über nach einer Ms. Sofie Österreich gesucht! (Scheinbar war das der erste europäische Pass, den er jemals in Händen gehalten hatte.)

Somit nahm das Nicht-auf-der-Liste-stehen doch noch ein gutes Ende und ich konnte endlich meine Wohnung beziehen. Meine Mitbewohnerin, mit der ich die Drei-Zimmer-Wohnung teilen sollte, war noch nicht da. Mein erster Eindruck war: Kälte. Es reicht ja nicht, dass es eine Klimaanlage pro Raum gibt, nein es müssen zwei sein, von denen man eine erst gar nicht abdrehen kann! Ziemlich bald kam auch meine Mitbewohnerin an, eine Französin, die lustigerweise Anne-Sophie heißt. Nachdem ich meine Koffer einigermaßen ausgepackt und noch schnell von dem Fast-Food-Restaurant nebenan (das einzige, was ich auf die Schnelle finden konnte) etwas zu essen geholt hatte, ging ich mit Fleecejacke, langer Pyjamahose und Socken schlafen. Dennoch wachte ich in der Nacht immer wieder auf, weil es einfach unheimlich kalt war.

1. Tag

Am ersten Tag hatten wir gleich unsere Orientación in der Law School der Uni. Gestartet wurde mit einem Frühstücksbuffet, dann ging es weiter mit einer Unmenge an Informationen (inkl. einem eineinhalbstündigen Vortrag über die Schweinegrippe), einer Campusführung und einem gemeinsamen Mittagessen. Insgesamt war dieser Tag ganz nett und ich lernte eine Menge Leute kennen. Das Problem war allerdings, dass ich feststellen musste, dass man auf Puerto Rico nicht Spansich spricht. Diese Sprache, die hier gesprochen wird, hat nicht sonderlich viel damit gemeinsam, was wir in Europa unter Spansich verstehen. Zum Beispiel ist das essentielle Wort "vosotros" (=euch) nicht existent. Der Akzent gemeinsam mit der anderen Aussprache, einer Unmenge an rein auf Puerto Rico verwendeten Vokabeln und der Sprechgeschwindigkeit machten es zu Beginn fast unmöglich, mich zu verständigen.

Unistart

Am nächsten Tag ging es schon los mit den ersten Kursen und ich musste feststellen, dass die Kurse, zu denen ich angemeldet war, nicht im geringsten mit denen übereinstimmten, die ich in Österreich ausgesucht hatte. Nichtsdestotrotz ging ich einmal zu den ersten beiden Kursen, um sie mir einmal anzusehen. Das eine war ein Spansichkurs, mit dem ich ganz ehrlich gesagt absolut überfordert war. Der war eigentlich für Natives gedacht, die ihren Schreibstil hier verbessern sollten. Des weiteren war ich auch noch zu einem Englischkurs angemeldet, den eine Professorin hielt, die man ohne zu übertreiben als bösartige Giftschlange bezeichnen kann. Ihre Überraschung für die erste Stunde war darüber hinaus ein Aufsatz, der natürlich benotet wurde. Sie hat uns mehr als einmal gesagt, wie wichtig der Aufsatz ist. Sie hat uns offen gesagt, dass der erste Eindruck, den wir bei ihr hinterlassen, für das ganze Semester ausschlaggebend sein würde. Ein Mathematikkurs fand leider gar nicht erst statt und bei einem zweiten Spansichkurs sollten wir Texte von Friedrich Nietzsche und anderen Philosophen lesen und interpretieren - auf Deutsch ein super Kurs, aber auf Spanisch?
Das alles war Grund genug, um wieder ins Büro für Internationale Beziehungen zu laufen und alle Kurse zu ändern. Nachdem meine Koordinatorin mir zwar versichert hat, dass sie das machen wird, durfte ich etwas später feststellen, dass sie entweder keine Ahnung hat oder einfach nur heillos überfordert war. Schließlich durfte ich zu sämtlichen Fakultäten gehen und Bestätigungen von den Professoren holen, dass ich, obwohl die Frist eigentlich schon abgelaufen war, doch noch an dem einen oder anderen Kurs teilnehmen darf. Am Freitag Nachmittag hatte ich endlich mein endgültiges Kursprogramm vorliegen. Mit den Kursen war ich nun sehr zufrieden: Partielle Differentialgleichungen, Ordentliche Differentialgleichungen, Spanisch und Interkulturelle Kommunikation.
Überraschenderweise finden sämtliche Mathematikkurse ab einem gewissen Level auf Englisch statt, was die Sachen weitaus vereinfachte. Zufälligerweise habe ich auch noch einen Professor, der in Deutschland promoviert hat und somit sogar etwas Deutsch spricht!

Insesamt gesprochen sind die Kurse hier super. Ich hatte in meinem Leben zwar noch nie so viel Hausübungen wie hier, aber den Professoren liegt - im Gegensatz zu vielen an österreichischen Universitäten - wirklich etwas daran, den Studenten etwas beizubringen. Außerdem sind wir heir keie Nummer und sie interessieren sich wirklich für uns. Sie wissen nicht nur unsere Namen, Heimatland und Hobbies, sondern interessieren sich sogar dafür, wie man das Wochenende verbracht hat! In den Klassen sitzen nie mehr als 20 Studenten und der Unterricht ist wirklich sehr interaktiv. Eine ganz neue Erfahrung ist auch, wie man hier Mathematik unterrichtet: Die Professoren erklären die Theorie anhand von echten Beispielen und wenn einige es trotzdem nicht verstanden haben, gibt es noch ein zweites und drittes Beispiel - purer Luxus!

Wochenende!

Ich habe mich inzwischen sehr mit vier Französinnen angefreundet. Gemeinsam mit ihnen und vier Puerto Ricaner habe ich bisher den Großteil der Freizeit verbracht. Das praktische daran ist auch, dass die Puerto Ricaner natürlich Autos haben, was den Transport gleich um einiges erleichtert! Außerdem ist es super quasi immer Fremdenführer mitzuhaben und so wird mein Spanisch auch von Tag zu Tag besser.
Wir haben inzwischen einen (leider viel zu kurzen) Ausflug in die Alstadt gemacht, etliche der traumhaften Strände "ausprobiert", die größte Shoppingmall der Karibik kennen und lieben gelernt, etliche Salsabars besucht und einen Abstecher in eines der tausend Kasinos und ins Kino gemacht. Für weitere Informationen - siehe Fotoalben!

1 Kommentar:

  1. NUMMER EINS!

    ich habs ja gesagt.... du BRAUCHST einen blog ....

    aba jetz schau mal dass du auf dieser insel briefmarken auftreibst u net dauernd strände anschaun oda hausübungen machen .... :D erledig mal die wichtigen dinge!!! :-P

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