Sonntag, 11. Oktober 2009

Kultur- und Abenteuerwochenende

Kulturwochenende
Letztes Wochenende besuchte ich am Donnerstag Abend ein Latin-Jazz Konzert im Universitätstheater. Ich war sowohl vom Konzert als auch vom Therater selbst mehr als nur begeistert! Daraufhin zeigte mir "der Inder" eine Weinbar, die hier ganz in der Nähe ist. Die Bar hat unglaubliches Flair - Livemusik, Weinflaschen vom Boden bis zur Decke und Dekoration a la Weinkeller.
Dort leerten wir eine Flasche 10 Jahre alten kalifornischen Wein - dazu gab es Chorizos in Weinsauce und Weißbrot. Insgesamt also ein sehr gelungener Abend!

Am Freitag fuhr ich gemeinsam mit Omar - ein Puerto Ricaner, den ich ca. zwei Wochen zuvor kennen gelernt hatte - ins Museum für Puerto Ricanische Kunst. Nicht nur das Museum selbst sondern vor allem auch der Skulpturenpark sind wirklich sehenswert und wir verbrachten zirka vier Stunden dort. Ausgestellt wird ein Querschnitt durch die puertoricanische Kunst von der Kolonialzeit bis in die Gegenwart.

Am Samstag wars dann mit der Kultur vorbei und es ging zusammen mit dem Amerikaner Terrill nach Cataño - zur Barcardí-Fabrik (man beachte den Akzent am "i" und spreche es fortan nur mehr richtig aus!). Wir machten eine (eher oberflächige und die problematische Vergangenheit in Cuba auslassende) Tour auf Spanisch mit, bei dem wir auch die Rezepte des echten Cuba Libres (Coca-Cola - Pepsi geht absolut nicht - und natürlich Barcardí), echten Daiquiris (beide von Barcardí kreiert) und des echten Mojitos "nähergebracht" wurden.
Im Anschluss daran gab es natürlich noch eine Barcardíverkostung - und ich bleibe dabei: Barcardí ist einfach nicht gut!


El Yunque

Diesen Freitag ging es gemeinsam mit Omar und der Schweizerin Eliane in den Regenwald - El Yunque.
Wir marschierten einen schmalen Pfad durch den Dschungel hin zu einem wirklich genialen Wasserfall. Dort kletterten wir die (nassen und daher extrem rutschigen) Steine hinauf und hinunter, um an die besten "Pools" zu gelangen bzw. eine Dusche im Wasserfall zu nehmen.
Leider haben wir nicht den einheimischen Papagei zu Gesicht bekommen, dafür aber  (die ganze Zeit über) den Coquí, einen kleinen, endemischen Frosch, quaken hören. Dieser Frosch ist quasi eines der Wahrzeichen der Insel. Besonders macht ihn vor allem auch, dass sein Quaken in keinster Weise so klingt, wie man das gewohnt ist - es erinnert eher an eine Mischung aus Grille und Vogel.
Durch den Regenwald gibt es über 30 verschiedene Pfade. Grund genug also, um sicher noch öfters hierher zu kommen.


Las Cuevas de Camuy

Am Sonntag ging es - wieder mit Eliane - bereit um 5:15 AM los. Wir machten eine Tour durch das drittgrößte Höhlensystem der Welt mit - Cuevas de Camuy im Zentrum der Insel. Klarerweise haben wir nur einen kleinen Teil des Systems kennengelernt - darüber hinaus ist auch noch gar nicht alles erforscht/entdeckt!
Diese ganze Tour war ein echtes Abenteuer und definitiv nichts für schwache Nerven!
Mit Klettergurt, Schwimmweste, Karabinern, Helm, Stirnlampe und Knieschonern ausgestattet ging es los. Begonnen haben wir mit Zip-Lining über einen (wirklich sehr tiefen) Abgrund. Das war noch verhältnismäßig unspektakulär. Daraufhin ging es eine 250 feet (≈ 80m) hohe Wand senkrecht hinunter. Zuerst konnte man sich normal abseilen, doch schon nach etlichen Metern war die Wand zu Ende und man kam frei in der Luft schwebend dem Boden näher.

Man muss sich den Zugang zur Höhle folgendermaßen vorstellen: Inmitten eines Dschungels befindet sich ein riesengroßes Loch. Sämtliche Wände sind von tropischen Planzen und Bäumen überwuchert und am Boden bahnt sich ein Fluss (Río Camuy) seinen Weg durch das Gestein.
Sobald man sich abgeseilt hat und am Boden Angekommen ist, bietet sich einem ein gigantischer Anblick: Dort wo der unterirdische Fluss zu Tage tritt, befinden sich die Eingänge zu den meterhohen Höhlen.

Gleich zu Anfang wurde uns klar, dass das keine "normale Touristentour" sein würde, sondern dass man hier wirklich gefordert wird. Zu Beginn durften wir gleich einmal in den Fluss springen, um an der anderen Seite die ersten Felsen zu überqueren. Dazu ist zu sagen, dass die Strömung sehr, sehr stark war und das Wasser extrem kalt.
Immer wieder trafen wir auf Riesenspinnen, Fledermäuse, Skorpione und Krabben und wahrscheinlich noch ziemlich viel anderes Getier, das mir (zum Glück) nicht aufgefallen ist.
Das ganze war definitiv kein Spaziergang, denn sobald es ausnahmsweise einmal ein leichtes Stück gab, bei dem man nicht klettern, springen oder rutschen musste, durften wir zumindest laufen - sonst wirds ja fad. Oder man wurde mit einer Plastikschlange bzw. -fledermaus erschreckt, wenn man gerade eine steile Kletterwand hinter sich hatte.

Ein echtes Highlight war zum Beispiel die "Spiderman-Wand". Die Wand, über die ein kleiner Bach hinunterrauschte, bestand aus verwitterten Korallen und ging etliche Meter beinahe senkrecht hinunter. Ohne Seil und Sicherung sollten wir da hinunter... Und ja, es geht, denn auf Korallen ist die Haftung so gut, dass man sich tatsächlich fast supermanlike fortbewegen kann.
Dann gab es noch den "Nutella-Teich". An dieser Stelle befand sich bis vor ca. zehn Jahren ein großer unterirdischer Teich. Nach etlichen sehr starken Regengüssen, öffnete sich allerdings irgendwo ein Abfluss und der gesamte Teich verschwand. Übrig blieb ein extrem matschiger Boden. Nachdem man auf diesem a la Treibsand, sobald man stehenbleibt, einsinkt, liefen wir einfach durch den zum Teil 30 cm tiefen Schlamm.
Mitten in der Höhle machten wir auch eine unterirdische Jausenpause. Wir stellten überall Kerzen auf, was eine unheimliche aber zugleich traumhafte Atmosphäre erzeugte.
Ein weiterer Höhepunkt war "der Sprung". Zuerst durften wir uns das Gelände ein bisschen anschauen, bevor sämtliche Lichter ausgeschaltet wurden. Und dann sprang einer nach dem anderen die zirka vier Meter hinunter in den Fluss - bei vollkommener Dunkelheit. Es war so genial!

Natürlich war die ganze Höhle an sich schon sehr beeindruckend: Manchmal gab es unglaublich große unterirdische Hallen, dann wieder meterhohe Tropfsteine, immer wieder kleinere Wasserfälle, Korallen, natürliche Swimmingpools mit glasklarem Wasser, Wandzeichnungen von der von den Spaniern ausgerotteten Urbevölkerung, den Taínos, und vieles mehr.

Als wir nach etlichen Stunden wieder Tageslicht erblickten, erwartete uns ein letztes kleines "Abenteuer". Wir befanden uns ja quasi in einem Loch, und da mussten wir auch wieder hinaus - über einen kleinen, irre steilen Pfad, den man mehr hinaufklettern als hinaufgehen musste. Mit aufmunternden (oder eher zynischen) Schildern, wie zum Beispiel "Don't give up!" oder "Oasis ahead!" wollten uns die Tourguides auf den Berg hinaufbringen. Als wir endlich den höchsten Punkt erreicht hatten ("Top of the world"), ging es wieder hinunter - über Leitern und nasse, glitschige und rutschige Steine. Schließlich überquerten wir aber doch noch die "Ziellinie" und wurden mit einem Wasserschlauch, aber auch Applaus, Musik (passenderweise die Filmmusik von "Rocky"), Snacks und Getränken begrüßt und nachdem wir (einigermaßen) sauber und umgezogen waren, ging es über den roten Teppich zurück zum Tourbus und nach San Juan.

Dort schlossen wir diesen langen, aber wunderschönen Tag mit Sangria ab - gemeinsam mit einem Pärchen aus Oklahoma und einem aus Washington D.C., die wir - falls wir einmal zufällig in der Gegend vorbeikommen sollten - unbedingt besuchen müssen.

Das einzig Negative an diesem Tag ist, dass ich - obwohl nur einmal richtig ausgerutscht - nach und nach immer mehr Schürfwunden und blaue Flecken am ganzen Körper entdecke, die mit der Zeit richtig schmerzhaft werden...

Sonntag, 27. September 2009

Update

Dienstag, 15. September
Regen -> rutschig -> Sofie rutscht aus -> Zehe verletzt -> Arzt -> Wunde nähen lassen -> 7 Tage kein Wasser, nicht viel gehen

Das hatte zur Folge, dass das letzte Wochenende - von chilenischem Essen, Avocado-Milchshake und Open-Air Kino (Der Vorleser, The Reader, El Lector) einmal abgesehen - nicht sonderlich aufregend war. "Glücklicherweise" hatte ich jedoch letzte Woche Prüfungen, sodass das "zu Hause eingesperrt sein" nicht so schlimm war, aber dennoch musste diese Woche dafür umso besser werden - und das war sie auch!

Mittwoch Abend war ich bei meinem ersten "offiziellen" AIESEC Meeting, das auch das erste Treffen für die Newies aus dem Herbstrecruitment war. Was mich wirklich überrascht hat, war, dass die Frauenquote hier bei ca. 80% liegt - vielleicht liegt das ja daran, dass das Auswahlverfahren hier weitaus härter ist als in Österreich... ;)) Lustig ist auch, dass eine Finnin, die ich letztes Jahr in Estland kennen gelernt habe, im MC (nationaler Vorstand) Puerto Rico war und die kennt hier natürlich jeder...

Am Donnerstag wurde am Campus "70 Jahre Turm der UPR" gefeiert. Aus diesem Grund wurden etliche Konzerte veranstaltet. Nach einem netten Nachmittagscafe mit einem Inder besuchte ich das Konzert der "Tuna Bardos UPR", eine Gruppe von Studenten, die in mittelalterlichen, spanischen Bardengewändern puertoricanische, südamerikanische und spanische Lieder singen bzw. spielen. Und ja, es war genauso lustig wie es klingt.
Gleich anschließend gab es ein Konzert des Unichores gemeinsam mit dem Tenor César Hernández, bei dem angefangen von Mendelssohn über "Funiculí, Funiculá" bis hin zu afrikanischen Volksliedern und spanischen Liedern aus der Romantik alles dabei war. Bei dieser Veranstaltung habe ich auch Jonathan - einen echten Pro-Amerikaner - kennengelernt. Sein Traum war es, Musiker zu werden. Schlussendlich hat er aber dann doch die Army vorgezogen - aber zumindest ist er Demokrat.
Anschließend an das Konzert waren wir noch essen und zwar so wie es sich hier (wie mir deutlich klar gemacht wurde) gehört: Der Mann sucht das Essen aus und bezahlt - keine Widerrede.

Am Freitag musste wieder einmal das größte Shopping-Center der Karibik unsicher gemacht werden, wo ich mein neues Lieblingsgeschäft entdeckt habe: Borders, ein riesiges Büchergeschäft. Es versteht sich von selbst, dass die zwei Stunden, die ich dort verbracht habe, bei weitem nicht ausreichend waren. Als ich nach Reiseführern für meine anstehenden Reisen gesucht habe, bin ich auch auf einige über Österreich gestoßen - wirklich sehr interessant (und amüsant) wie "wir Österreicher" so sind.

Am Abend fuhren Jonathan und ich nach Condado - dem High-Society Viertel San Juans, in dem man einen Ferrari neben dem anderen sieht und die Gucci und Luis Vuitton Shops zu finden sind. Dort waren wir in einem sehr schönen Restaurant und wieder durfte ich mein Essen nicht selbst aussuchen - es war bereits vorbestellt worden und war bei unserer Ankunft schon fertig. Zum Glück hatte ich am Vorabend erwähnt, dass die Garnelen hier wirklich gut sind und voilá für mich gab es mit Käse und Limette überbackene, in gegrillte Plátanos eingerollte Garnelen mit Plátanosreis. (Plátanos = Kochbananen)

Am Samstag fand ein vom Büro für internationale Beziehungen organisierter Canopy-Ausflug statt. In echten, amerikanischen Schulbussen fuhren wir in einen Dschungel außerhalb der Stadt. Nicht nur der Bus hat sehr an einen Schulausflug erinnert: Die ganze Fahrt über haben wir (inkl. Busfahrer und den Organisatoren) lauthals spanische Pop-Songs gesungen. Aber auch die Canopy-Tour selbst war sehr gut: Abseilen, Zip-Lines über tiefe Schluchten oder einfach von Baum zu Baum - wirklich sehr lustig! Anschließend gab es ein gemeinsames, typisch puertoricanisches Essen - natürlich alles auf Kosten der Uni.

Am Abend fuhr ich gemeinsam mit Anna (New York) und Terril (Texas/Kentucky) noch einmal nach Condado, da an diesem Abend dort zum letzten Mal eine puertoricanische Tanzgruppe aufgetrat. Der Moderator studiert auch an der UPR, wohnt im gegenüberliegenden Studentenwohnheim und hat uns dazu eingeladen. Anschließend gingen wir zu Starbucks. (Anna und Terril gehen hier im Schnitt vier Mal die Woche hin - sie entsprechen wirklich dem amerikanischen Klischee.) Daraufhin verbrachten wir einige Zeit an der Strandpromenade, wo Anna beschloss nicht nur ein Semester sondern gleich ein ganzes Jahr oder sogar noch länger hierzubleiben. Jetzt muss sie nur noch ihren Verlobten (sie ist 21!!) davon überzeugen, dass das eine gute Idee ist, und mit Daddy reden, dass er das Angebot, das er für ein Haus für seine Tochter in New York abgegeben hat, zurückzieht und ihr doch lieber einmal hier in Condado ein Apartment kauft...

Sonntag ist eher gemütlicher. Theoretisch habe ich ja am Montag eine Prüfung, für die man zumindest ein bisschen lernen sollte, aber mit einer 99%igen Wahscheinlichkeit wird morgen wieder einmal gestreikt. Vamos a ver...

Montag, 14. September 2009

Über 30°C im Land des ewigen Sommers...

... während es in Österreich ja angeblich immer kälter wird.

Letzten Donnerstag war es wieder einmal so weit: Streik. Dieses Mal blockierte die "gegnerische" Partei für 24h sämtliche Eingänge zum Campus. Und wie könnte man die Zeit wohl besser nutzen, als zum Strand zu fahren. Dort lernte ich ein sehr nettes Mädchen aus Bayamón nahe San Juan kenne. Nachdem ich klargestellt hatte, dass ich aus Österreich und nicht aus Australien komme, fand sie mich gleich noch sympatischer. Europa ist für die meisten hier etwas faszinierendes und wer noch nicht dort war, hat es zumindest noch vor. Schon allein deshalb, weil wir Schnee haben - logischerweise etwas besonderes hier.
Um noch weiter über Österreich, Europa und Puerto Rico zu tratschen - natürlich auf Spanglish - haben wir uns für Sonntag verabredet.

Doch zunächst einmal zu Samstag: Die Franzosen und ich fuhren wieder einmal in die Altstadt, um dieses Mal El Castillo del Morro - eine imposante Festung an der Küste - genauer zu erkunden.
Zunächst fuhren wir mit dem Turistenzug durch die Altstadt (sehr amüsant) und anschließend zur Festung. Gleich neben El Morro befindet sich der alte Friedhof, in dem die ersten Siedler Puerto Ricos und weiter Berühmtheiten begragen sind. Sämtliche Gräber sind aus weißem Marmor, in der Mitte befindet sich eine Kapelle mit roter Kuppel und nur wenige Meter von der Friedhofsmauer entfernt beginnt das Meer - insgesamt ein sehr schöner Anblick. Daraufhin ging es über eine Wiese, die sich optimal zum Drachensteigen eignet, zum Eingang der Festung. Nach einer kurzen Einführung in die imperialistische Geschichte der Insel und in die Entstehung der Festung durch das Museumspersonal erkundeten wir diese fast drei Stunden lang.
Wir verbrachten den restlichen Tag in der Altstadt, wo wir auch bei einer Rumverkostung mitmachten. Hier entdeckte ich auch meinen neuen Leiblingsrum: DonQ Pasión, im Optimalfall mit Piña (also Passionsfruchtrum mit Ananas)
Wir trafen auch eine Frau, die uns zirka eine halbe Stunde lang vorjammerte, wie schrecklich die Amerikaner und noch schlimmer die Regierung sind - eine Überzeugte Anhängerin der PIP (Puertoricanischen Unabhängigkeitspartei), die, wie der Name schon sagt, für eine vollständige Unabhängigkeit der Insel eintritt.

Am Abend beschlossen wir das Nightlife der Altstadt auf eigene Faust (noch besser) zu erkunden. Unser Ziel war: Mit dem letzten Zug hin und mit dem ersten wieder retour. Fast hätten wir das auch geschafft, allerdings gaben wir gegen 5 Uhr in der Früh auf und nahmen doch ein Taxi zurück.
Nachdem Puerto Rico ja einer der Geburtsorte des Reggaetóns ist, sahen wir es quasi als Pflichtprogramm an, sich das einmal genauer anzusehen. Also gingen wir in eine der "coolsten" Reggaetón-Discos, die wir aber relativ bald wieder verließen. Das, was man als karibische Krocher bezeichnen könnte, sowie zu viele Männer mit eindeutig zu hohem Testosteronspiegel haben mich zu einem definitiven Anti-Reggaetón-Fan gemacht. Daraufhin ging es in eine Salsabar, in der gerade eine hier sehr bekannte Band live spielte. Im NuYoRicanCafe wurde - was auch sonst - wieder Salsa getanzt (obwohl ich irgendwie immer schlechter als besser werde). Nach einigen abschließenden Muffins ging es wieder zurück nach Rio Piedras, um zumindest ein paar Stunden zu schlafen bevor es wieder los ging - mit Kati nach Naranjito.

Naranjito, dessen Name sich von einer Legende über einen kleinen Orangenbaum ableitet, liegt im Inneren der Insel, südwestlich von San Juan. Nachdem ich wieder einmal feststellen durfte, dass Zeit hier besonders relativ ist und es durchaus legitim ist, 40 Minuten und mehr zu spät zu kommen, fuhren Kati, ihr Freund und ich in ein kleines Dorf in Naranjito, wo ihre Familie ein Restaurant besitzt. Dieses Restaurant ist direkt über dem Rio Plata Lago gebaut. Von mehreren Terassen aus, die sich auf unterschidlichen Niveaus befinden, hat man eine traumhaften Ausblick über den See und die umliegenden Wälder.
In diesem Ort war ich die Sensation des Tages, denn auserhalb des amerikanischen Kontinents war hier noch keiner. Somit wurde ich gleich einmal allen als "das Mädchen aus Österreich" vorgestellt: dem Freund (Rafael), der Schwester des Freundes, der Freundin der Schwester des Freundes, der Mutter, vier Tanten, drei Onkeln, diversen Cousins und Cousinen und deren FreundInnen, dem Großvater, der Mutter des Exfreundes und etlichen anderen Leuten. Ich bekam eine Führung durch die ganze Gegend und brachte ihnen einige deutsche Sätze bei, allerdings ist es für spanisch-sprechende Menschen kaum möglich ein "ch" auszusprechen.  Es musste auch geklärt werden, dass die Sprache "Österreichisch" inexistent ist und dass wir wirklich Deutsch sprechen. Auch das Gerücht, dass man in Deutschland (und anscheinend dann auch logischerweise in Österreich) zum Frühstück prinzipiell Bier trinkt, wurde ausgeräumt und weiters klargestellt, dass der Hitler-Gruß in Europa nicht ganz so beliebt ist. Ich erlebte auch zum ersten Mal einen noch stärkeren und noch authentischeren puertoricanischen Slang. Französischen Siedlern ist es zu verdanken, dass Puerto Rico die einzige spanischsprachige Region ist, in der man das "r" in manchen Fällen als "l" ausspricht. Eine weitere Erschwerung - aber: Es wird, es wird...
Daraufhin sollte ich auch unbedingt mit Angeln gehen - leider ohne großen Erfolg. (Und das lag sicher an der Angel und nicht an mir!) Das Essen war - wie angekündigt - traumhaft und durch und durch puertoricanisch! Vor allem das berühmte Dessert "Tres leches" (in meinem Fall natürlich "de chocolate") ist genauso gut wie es ungesund ist - und es ist sehr, sehr ungesund.
Nachdem ich hundert Mal versichert hatte, dass ich wieder einmal komme, fuhren wir noch zu einem von Rafaels Freunden. Dort waren alle von "I am from Austria" begeistert und sie haben prompt beschlossen, nächsten Sommer nach Österreich zu reisen - mal sehen...
Ziemlich spät ging es dann wieder zurück, um endlich einmal auszuschlafen...

Montag, 7. September 2009

Cabo Rojo - Viertägiger Ausflug an das andere Ende meiner Insel

Die letzte Woche verlief - wie mir mein Spanischprofessor versichterte - richtig puertoricanisch: Am Mittwoch streikte das gesamte Unipersonal. Offiziell zwar nur bis 12 Uhr, nachdem aber die Studenten es nicht für notwendig hielten, zur Uni zu kommen, entfiel eigentlich der ganze Tag.
Ein ähnliches Bild am Donnerstag: Um zwei Uhr nachmittags ist Unterrichtsschluss, da eine Sturmwarnung für die gesamte Insel ausgegeben wurde. "Erica" war auf dem Weg. Im Studentenheim wurden überall Zettel aufgehäng und verteilt: Man soll genug Wasser kaufen, eine Taschenlampe und ein Erste-Hilfe-Set parat haben und eine Tasche mit Kleidung, Schuhen und den wichtigsten Dokumenten für den Fall einer Evakuation packen. Übertriebende Panikmache - selbst für das National Hurrican Center in Miami war Erica nichts besonderes. Aber Sturmwarnung ist nun mal Sturmwarnung. Und das heißt vor allem, dass Schulen und Unis geschlossen bleiben und der größte Teil der Bevölkerung nicht arbeiten muss.
Nachdem es sich Erica aber schließlich doch anders überlegte, sich in den südlichen Teil der Insel zurückzog und deutlich an Stärke verlor, hielt gegen Abend hin wieder das normale Leben Einzug.

Am Freitag Nachmittag ging es schließlich nach Cabo Rojo.
Dort haben wir zu acht (Arturo, Cristina und Eddie aus Puerto Rico, Mathilde, Elodie, Nicole und Anne-Sophie aus Frankreich und ich) ein Haus gemietet - inkl. Dachterasse, Hollywood-Schaukel und Pool!
Am Freitag Abend wurde der Ort - ein beliebtes Uralubsziel für Einheimische - erkundet. In einer Bar, die richtig dem Karibikimage enspricht, wurde gegessen, bis der Regen dem ganzen vorzeitig ein Ende bereitete. (Erica war ja blöderweise in den Süden weitergezogen.)
Am nächsten Tag fuhren wir zum berühmten Leuchttum von Cabo Rojo - dem Faro. Leider hatte es die ganze Nacht durchgeregnet, was der unbefestigten Straße nicht gerade gut getan hat. Da es allerdings nur diesen einen Weg zum Faro gibt, mussten wir eben immer wieder großen Seen und Schlammmulden ausweichen.
Doch die Mühe hat sich gelohnt: Im Faro gibt es zirka 100 Ausgaben von Homers Odyssee in verschiedenen Sprachen, die zum Schmökern bereit liegen.
Das Faro befindet sich direkt an einer felsigen Steilküste. Der Ausblick ist unglaublich und wir haben sogar einen Orka im Meer gesehen, allerdings war ich zum Fotografieren etwas zu langsam und er wollte einfach nicht noch einmal auftauchen.
 
 
Spaziert man etwas weiter gelangt man zu einem der schönsten Strände in Puerto Rico. Playa Sucio ist ein in einer kleinen Bucht gelegener, schmaler Strand mit türkisem Wasser und weißem Strand. Der Playa Sucio trennt das Meer und die dahinter gelegene Lagune (siehe Bild).
Dort verbrachten wir den restlichen Tag, wo ich auch mit mäßigem Erfolg versuchte den anderen "Stille Nacht" auf Deutsch beizubringen.
Am Abend fuhren wir - nach einer Schminksession durch Cristina (sie ließ sich nicht davon abhalten) - nach Mayagüez. Auf ein sehr gutes Abendessen im "Don Quijote" folgte ein Sightseeingspaziergang. Danach gingen wir in eine Bar, in der gerade das Basketballspiel Puerto Rico-Argentinien übertragen wurde. Schließlich fand gerade FIBA Americas Championship 2009 in Puerto Rico statt. Puerto Rico hat gewonne und zog damit ins Finale ein, das am Sonntag ausgetragen wurde. Leider unterlag Puerto Rico im Endspiel Brasilien. Aber dennoch sorgte ein zweiter Platz für eine sehr gute Stimmung.

Am Sonntag verbrachten wir den größten Teil des Tages am Strand. Am Abend fuhren wir nach Joyuda. Wir aßen in einem Restaurant, dessen Terrasse über dem Meer gebaut ist und in dem man die Fische, die man später am Teller hat, noch direkt vom Tisch aus im Meer beobachten kann.
Am Montag ging sich leider nur noch Pool-Baden aus, bevor wir wieder nach quer durch die Insel nach San Juan fuhren.

Sonntag, 30. August 2009

Este fin de Semana

Donnerstag Abend starteten wir wieder ins Wochenende und wo könnte man das besser tun als im Refugio, einer ziemlich netten Bar in der Nähe der Uni. Im Refugio hat man eigentlich nur zwei Möglichkeiten: Rum oder Bier (wobei man auch erwähnen sollte, wie unglaublich billig Alkohol hier ist: Bier $ 1,50 und eine Flasche Rum: $ 3) Nachdem das Bier (im Gegensatz zum österreichischen) zwar ganz ok ist (Europäer würden dieses Getränk wahrscheinlich eher als Limonade denn als Bier bezeichnen.), ist es aber eben trotzdem Bier und darum muss es nunmal Rum sein, denn der ist einfach nur traumhaft! (Natürlich weder Captain Morgan noch Barcardi - das ist nur gut genug für den Export - richtig gut ist Pablo Viejo!) Danach musste noch ein Abstecher zur Demonstration sein - man muss ja schließlich up to date sein!
Daraufhin konnte ich mich dem schönsten auf der Welt widmen: schlafen - und zwar so lange wie möglich!
Am Freitag Nachmittag stand ein Strandbesuch auf dem Plan. (Schließlich sollte man ja zumindest einmal pro Woche am Strand sein.) Dieser Strand, der in einer kleinen Bucht in der Nähe der Altstadt liegt, ist - so wie auch alle anderen - schlicht traumhaft. Etliche kleine Felsinseln befinden sich in unmittelbarer Nähe zum Ufer, an denen die an diesem Tag ziemlich starken Wellen gebrochen wurde. So entstand eine sehr eigenartige und starke Strömung, die das Baden gleich noch viel lustiger machten. An diesem Strand erlebte ich auch den schönsten Sonnenuntergang meines Lebens...
Danach fuhren wir mit Christina, einer Studentin aus Puerto Rico, in eine Tanzbar. Schließlich sind Salsa, Merengue und Borracho ein absolutes Muss hier. Allerdings hat man als Europäer kaum eine Chance, "richtig" zu tanzen und Tipps wie etwa "Vergiss die Schritte, du musst die Musik fühlen." und dergleichen kommen immer wieder. Es war mir bisher auch nicht bewusst, dass es an die tausend Möglichkeiten gibt, wie man seine Hüften bewegen kann. Doch ich bin zuversichtlich, dass ich das in spätestens zehn Monaten hinbekommen werde.

Am Samstag wollten wir eigentlich einen Ausflug in die Altstadt unternehmen. Nur leider hat das Wetter nicht mitgespielt: Es regnete den ganzen Tag. Daraus resultierte ein ungewollter Lerntag, was sich zumindest auf mein Wissen über Differentialgleichungen positiv auswirkte.

Am Sonntag wurde dieser Ausflug nachgeholt. Mit dem 2004 eingeweihten und dementsprechend modernen Tren Urbano ging es an den Hafen und dort dann per Schiff durch die Bucht von San Juan in die Altstadt: Viejo San Juan, die älteste Stadt der USA.
Ein Haus ist hier schöner als das andere, die Festung inkl. Stadtmauer ist imposant und dazu kommt ein unglaubliches Flair. An der einen Ecke sitzen alte Männer und spielen Karten, an der anderen werden frische Kokosnüsse angeboten und auf dem nächsten Platz tritt eine Liveband auf.
Natürlich durfte auch die kriolische Küche nicht zu kurz kommen und wir probierten einige Spezialitäten aus, deren Namen ich mir allerdings leider nicht gemerkt habe...

Nun stehen wieder vier Tage Uni, lernen und Hausübungen erledigen an, bevor wir uns in unser erstes verlängertes Wochenende (7. September: Tag der Arbeit) stürzen und nach Cabo Rojo fahren.

Donnerstag, 27. August 2009

Manifestación

Was als friedliches Straßenfest anfing, entwickelte sich letzten Donnerstag in der Avenida Universidad zu einer Straßenschlacht zwischen Polizei und Jugendlichen. Ein Streit zwischen zwei betrunkenen Jugendlichen eskaliert, die Polizei greift brutal ein und nach und nach ist die ganze Straße, die jeden Donnerstag zum Bersten voll ist, in die Auseinandersetzung involviert.
Jugendliche bewerfen die an die hundert Polizisten mit Bierdosen und beschimpfen sie als "Puercos", Schweine. Die Polizei reagiert mit Unmengen an Tränengas, das in die größtenteils offenen Gebäude eindringt. Die Anwesenden beginnen zu weinen, bekommen keine Luft, etliche brechen zusammen. Neben Tränengas werden auch Schlagstöcke eingesetzt, um die Leute zurückzudrängen. Barrikaden werden aufgebaut und verhindern es, dass die Jugendliche "entkommen" können. Es herrscht eine unglaubliche Brutalität.

http://www.youtube.com/watch?v=GoxT5nq6lAY&feature=related

Diese Auseinandersetzung zwischen Polizei und Jugend ist nichts Neues hier in Rio Piedras. Nach Ansicht der Polizei halten sich die Jugendlichen zu viel auf der Straße auf und sie werden verantwortlich gemacht für die hohe Kriminalität und Brutalität, die hier herrscht. Doch wo sollen sie sich sonst treffen? Die Straße ist der einzige Ort, der ihnen bleibt.

Heute, genau eine Woche später, findet eine Demonstration statt. Hunderte Menschen sind gekommen, alle in weiß gekleidet, um sich gegen Gewalt und Polizei und für Frieden einzusetzen. Sprechgesänge und Trommeln ertönen in der Straße, in der man normalerweiße nur Salsa zu hören bekommt. Die Polizei ist zurückhaltend, die Demonstranten friedlich. Es sind mehr Reporter und Fotografen unterwegs als Polizisten.
Wirklich gute Inszenierungen schaffen eine seltsame, teilweise beängstigende Atmosphäre: Tausende Seifenblasen steigen in den Himmel auf. Der Boden wird aufgekehrt, um ihn symbolisch von den Spuren der Gewalt zu befreien. Ein maskierter Mann hält Leinen in der Hand, an denen zwei Menschen festgebunden sind. Er trägt ein Schild, auf dem zu lesen ist: "Te he visto llorando. - Ich sah dich weinen."

Noch läuft alles friedlich ab, doch erst morgen wird man sehen, ob das auch so bleibt, sobald noch mehr Alkohol im Spiel ist.

Mittwoch, 26. August 2009

Puerto Rico, ich komme!

Nach langem Hin und Her habe ich mich nun doch dazu entschlossen, einen Blog zu schreiben. Auch wenn das vielleicht etwas spät ist - immerhin bin ich morgen schon drei Wochen lang hier - ist es ja noch nicht zu spät, um zu beginnen.

Wie alles begann...

Am 6. August um halb sechs Uhr in der Früh verließ ich - totmüde - das kleine Örtchen Wies, um gemeinsam mit meinen Eltern und Rainer nach Wien zum Flughafen zu fahren. Zum Glück hatte ich drei "Gepäckträger" mit - alleine hätte ich mit meinen Tonnen an Gepäck keine Chance gehabt. Etwas später kamen auch noch meine Tante inkl. Kusinen und Doris zum Flughafen.
Nach einem letzten Wiener Frühstück stand nun also der große Abschied bevor. Und ja, es war traurig - sehr traurig.

Ich bestieg also das erste Flugzeug, das mich nach Düsseldorf bringen sollte. Aus irgendwelchen Gründen startenten wir ca. 20 Minuten zu spät, was mich etwas nervös machte, da ich in Düsseldorf nicht allzu viel Zeit zum Umsteigen hatte. Endlich in Deutschland gelandet, eilte ich durch das riesige Flughafengelände zu meinem Gate, um dort festzustellen, dass - obwohl schon seit 25 Minuten Boarding sein sollte - das Flughafenpersonal noch keine Anstalten machte, das Gate zu öffnen. Glück im Unglück und ich nutze die Zeit für ein bisschen Duty-Free-Shopping! What else?

Nach endlosem Warten ging es also los. Im Flugzeug lernte ich einen ganz netten, 21jährigen Deutschen kennen, der ebenso wie ich zwei Tage alleine in Miami bleiben sollte. Der Flug verging im Großen und Ganzen wirklich "wie im Fluge" - schließlich musste ich ja zum einen mein Schlafdefizit aufholen und zum anderen wurde ich von AirBerlin mit "Nachts im Museum", Tomatensaft, Rotwein, Baileys und dergleichem ganz gut unterhalten.

In Miami angekommen erlebten wir zu aller erst einmal einen Hitzeschock. Obwohl es schon gegen 18:00 (Ortszeit) war, waren die Temperaturen einfach nur unmenschlich. Daraufhin durfte ich ein weiteres Mal Fingerabdrücke aller meiner zehn Finger abgeben und diverse Einreiseformalitäten hinter mich bringen - wie etwa Fragen zu meinen Absichten hier in den USA, meinen Spansichkenntnissen, Studienrichtung und noch diversen anderen Sachen, die die amerikanischen Behörden überhaupt nichts angehen, beantworten.
Nachdem ich mein Gepäck am Flughafen abgegeben hatten, suchten wir eine günstige Möglichkeit, um in die Stadt - genauer nach Miami Beach - zu kommen. Wir fanden schließlich auch eine Busstation und zufälligerweise zwei nette Brasilianerinnen, die gerade auf dem Weg nach Hause - nach Miami Beach - waren. Insgesamt warteten wir ca. 30 Minuten auf den Bus, bis wir beschlossen, doch ein Taxi zu nehmen. (Das Bussystem in Miami ist wirklich grottenschlecht!)

Endlich bei meinem Hostel angekommen, durfte ich feststellen, dass für eine gewisse Ms. Sofie W. hier kein Zimmer reserviert war. Nachdem ich dem Rezeptionisten meine Buchungsbestätigung vorlegte, stellten wir fest, dass ich wieder einmal eine wahnsinnig intelligente Aktion geliefert hatte und anstelle für den 6. August ein Zimmer für den 6. Juli gebucht hatte. Das kann wirklich nur mir passieren. Zu alle dem kommt noch, dass das Haus ausgebucht war und sie trotz meines allerliebsten Dackelblicks nichts für mich tun konnten.
Glücklicherweise wusste er gleich in der Nähe ein weiteres Hotel-Hostel, bei dem ich es versuchen konnte. Inzwischen war es schon dunkel und totmüde und verärgert ging ich die paar Blocks zu diesem anderen Haus. (Man hätte mir allerdings sagen können, dass man - auch wenn es nur ein paar Blocks waren - zirka 15 Minuten unterwegs ist.)
Glücklicherweise war hier noch etwas frei! Natürlich war an Schlaf nicht zu denken, nach einem kurzen Anruf in Österreich und einer Dusche ging es schon wieder los. Immerhin wollten wir (der Deutsche und ich) noch ein bisschen die Stadt erkunden!

Miami

An diesem Abend schlenderten wir etwas durch das Party-wütige Miami Beach, gingen eine Kleinigkeit essen und setzten uns schließlich mit einer Flasche Corona (natürlich mit Papiertüte) an den Strand. Dieser Strand war ein Traum: Im Rücken die Skyline von Miami, vor uns das Meer, das selbst zu dieser späten Stunde noch unglaublich warm war und: Pärchen (von denen ich jedes einzelne verfluchte!).

Da unsere Interessen bzgl. Miami ziemlich weit auseinanderklafften, war ich den ganzen nächsten Tag alleine unterwegs. Ich fuhr in die Downtown, ging dort ein bisschen spazieren - die Stadt ist wirklich wahnsinnig modern - und fuhr schließlich ins Seaquarium. Leichter gesagt als getan: Denn der Busfahrer war scheinbar nicht sehr ortskundig und ich landete irgendwo. Allerdings war ich nicht die einzige mit diesem Problem - zwei Studentinnen aus der Slowakei hatten demselben Busfahrer vertraut. Gemeinsam gelang es uns schließlich doch noch zum Seaquarium zu gelangen, wo wir uns neben einer Piraten- und einer Seelöwenshow auch noch "Flipper und seine Freunde" gaben. Für die Killerwalshow waren wir - dank des Busfahrers - leider etwas zu spät.
Am Nachmittag fuhr ich noch ins kubanische Viertel Miamis, wo ich zum ersten Mal mit echtem Spanglish konfrontiert war. Ohne Spanisch zu sprechen wäre man hier ziemlich aufgeschmissen. Nachdem es in "Little Havanna" zwar ganz nett, aber auch nicht so aufregend war, fuhr ich am späten Nachmittag wieder zurück nach Miami Beach. Um dem Fastfoodwahnsinn der Amerikaner zu entgehen, ging ich in ein französisches Lokal, um Omletts zu essen. Zu meiner Bestürzung wurden allerdings sogar hier Chips als selbstverständliche "Beilage" serviert.

Auf nach San Juan

Am nächsten Tag durfte ich wieder so früh aufstehen. Im Nachhinein betrachtet viel zu früh wurde ich abgeholt und zum Flughafen gebracht. Dort angelangt stellte ich fest, dass ich doch nichts für mein Gepäck bezahlen muss - supi! Ewig lang wartete ich - trotz langer Hose und Jacke halb erfroren - am Flughafen, bis wir endlich (wiederum verspätet) losflogen.
Zum Glück war der Flug nicht allzu lang und schon bald konnte ich den ersten Blick auf "meine neue Heimat" erhaschen.

Endlich gelandet durfte ich festellen, dass es auf dem Flughafen in San Juan weder eine Ankunftshalle noch Gepäckwagerl gibt. Drei Mal durchatmen, Gepäck aufladen und los geht es - bei 35°. Eigentlich sollte ich ja abgeholt werden. Eigentlich. Bloß: Es war niemand da. Nachdem ich zirka 15 Minuten gewartet hatte, beschloss ich, mich noch weiter umzusehen. Mit meinem ganzen Gepäck marschierte ich also los und was fand ich? Es war ja doch jemand von meiner Uni hier! Warum sie mich nicht bei meinem Ausgang abgeholt haben? - Ich stand nicht auf der Liste! Das tat ihnen leid und sie entschuldigten sich hundert Mal dafür.
Nachdem auch noch die anderen Studenten - die allesamt sehr wohl auf der Liste standen - angekommen waren, fuhren wir mit einem Unibus (ja, soetwas gibt es hier!) zu den Studentenheimen. Wir standen vor einem 22 Stock hohen Turm, der nicht nur von außen ziemlich heruntergekommen aussah. An der Rezeption wurde mir allerdings wieder mitgeteilt, dass zwar sämtliche anderen Studenten (ausnahmslos Amerikaner) hier wohnen, nur ich nicht - ich stehe leider nicht auf der Liste! Viellleicht ist es ja das Studentenheim gegenüber. Ich lud also mein Gepäck wieder auf und ging zum anderen Haus. Ich gab dem Portier meinen Pass und - Überraschung - er konnte meinen Namen nicht auf der Liste finden. Er rief seine Kollegen an, die leider auch nicht wussten, was sie mit mir machen sollten. Langsam aber doch machte ich mir ernsthafte Sorgen. Hätte ich in Österreich noch irgendetwas erledigen müssen? Irgendeine Bestätigung einholen oder sonst etwas?
Schließlich gingen der Portier und ich noch einmal gemeinsam die Lieste durch und - mein Name stand sehr wohl da! Der Portier hatte die ganze Zeit über nach einer Ms. Sofie Österreich gesucht! (Scheinbar war das der erste europäische Pass, den er jemals in Händen gehalten hatte.)

Somit nahm das Nicht-auf-der-Liste-stehen doch noch ein gutes Ende und ich konnte endlich meine Wohnung beziehen. Meine Mitbewohnerin, mit der ich die Drei-Zimmer-Wohnung teilen sollte, war noch nicht da. Mein erster Eindruck war: Kälte. Es reicht ja nicht, dass es eine Klimaanlage pro Raum gibt, nein es müssen zwei sein, von denen man eine erst gar nicht abdrehen kann! Ziemlich bald kam auch meine Mitbewohnerin an, eine Französin, die lustigerweise Anne-Sophie heißt. Nachdem ich meine Koffer einigermaßen ausgepackt und noch schnell von dem Fast-Food-Restaurant nebenan (das einzige, was ich auf die Schnelle finden konnte) etwas zu essen geholt hatte, ging ich mit Fleecejacke, langer Pyjamahose und Socken schlafen. Dennoch wachte ich in der Nacht immer wieder auf, weil es einfach unheimlich kalt war.

1. Tag

Am ersten Tag hatten wir gleich unsere Orientación in der Law School der Uni. Gestartet wurde mit einem Frühstücksbuffet, dann ging es weiter mit einer Unmenge an Informationen (inkl. einem eineinhalbstündigen Vortrag über die Schweinegrippe), einer Campusführung und einem gemeinsamen Mittagessen. Insgesamt war dieser Tag ganz nett und ich lernte eine Menge Leute kennen. Das Problem war allerdings, dass ich feststellen musste, dass man auf Puerto Rico nicht Spansich spricht. Diese Sprache, die hier gesprochen wird, hat nicht sonderlich viel damit gemeinsam, was wir in Europa unter Spansich verstehen. Zum Beispiel ist das essentielle Wort "vosotros" (=euch) nicht existent. Der Akzent gemeinsam mit der anderen Aussprache, einer Unmenge an rein auf Puerto Rico verwendeten Vokabeln und der Sprechgeschwindigkeit machten es zu Beginn fast unmöglich, mich zu verständigen.

Unistart

Am nächsten Tag ging es schon los mit den ersten Kursen und ich musste feststellen, dass die Kurse, zu denen ich angemeldet war, nicht im geringsten mit denen übereinstimmten, die ich in Österreich ausgesucht hatte. Nichtsdestotrotz ging ich einmal zu den ersten beiden Kursen, um sie mir einmal anzusehen. Das eine war ein Spansichkurs, mit dem ich ganz ehrlich gesagt absolut überfordert war. Der war eigentlich für Natives gedacht, die ihren Schreibstil hier verbessern sollten. Des weiteren war ich auch noch zu einem Englischkurs angemeldet, den eine Professorin hielt, die man ohne zu übertreiben als bösartige Giftschlange bezeichnen kann. Ihre Überraschung für die erste Stunde war darüber hinaus ein Aufsatz, der natürlich benotet wurde. Sie hat uns mehr als einmal gesagt, wie wichtig der Aufsatz ist. Sie hat uns offen gesagt, dass der erste Eindruck, den wir bei ihr hinterlassen, für das ganze Semester ausschlaggebend sein würde. Ein Mathematikkurs fand leider gar nicht erst statt und bei einem zweiten Spansichkurs sollten wir Texte von Friedrich Nietzsche und anderen Philosophen lesen und interpretieren - auf Deutsch ein super Kurs, aber auf Spanisch?
Das alles war Grund genug, um wieder ins Büro für Internationale Beziehungen zu laufen und alle Kurse zu ändern. Nachdem meine Koordinatorin mir zwar versichert hat, dass sie das machen wird, durfte ich etwas später feststellen, dass sie entweder keine Ahnung hat oder einfach nur heillos überfordert war. Schließlich durfte ich zu sämtlichen Fakultäten gehen und Bestätigungen von den Professoren holen, dass ich, obwohl die Frist eigentlich schon abgelaufen war, doch noch an dem einen oder anderen Kurs teilnehmen darf. Am Freitag Nachmittag hatte ich endlich mein endgültiges Kursprogramm vorliegen. Mit den Kursen war ich nun sehr zufrieden: Partielle Differentialgleichungen, Ordentliche Differentialgleichungen, Spanisch und Interkulturelle Kommunikation.
Überraschenderweise finden sämtliche Mathematikkurse ab einem gewissen Level auf Englisch statt, was die Sachen weitaus vereinfachte. Zufälligerweise habe ich auch noch einen Professor, der in Deutschland promoviert hat und somit sogar etwas Deutsch spricht!

Insesamt gesprochen sind die Kurse hier super. Ich hatte in meinem Leben zwar noch nie so viel Hausübungen wie hier, aber den Professoren liegt - im Gegensatz zu vielen an österreichischen Universitäten - wirklich etwas daran, den Studenten etwas beizubringen. Außerdem sind wir heir keie Nummer und sie interessieren sich wirklich für uns. Sie wissen nicht nur unsere Namen, Heimatland und Hobbies, sondern interessieren sich sogar dafür, wie man das Wochenende verbracht hat! In den Klassen sitzen nie mehr als 20 Studenten und der Unterricht ist wirklich sehr interaktiv. Eine ganz neue Erfahrung ist auch, wie man hier Mathematik unterrichtet: Die Professoren erklären die Theorie anhand von echten Beispielen und wenn einige es trotzdem nicht verstanden haben, gibt es noch ein zweites und drittes Beispiel - purer Luxus!

Wochenende!

Ich habe mich inzwischen sehr mit vier Französinnen angefreundet. Gemeinsam mit ihnen und vier Puerto Ricaner habe ich bisher den Großteil der Freizeit verbracht. Das praktische daran ist auch, dass die Puerto Ricaner natürlich Autos haben, was den Transport gleich um einiges erleichtert! Außerdem ist es super quasi immer Fremdenführer mitzuhaben und so wird mein Spanisch auch von Tag zu Tag besser.
Wir haben inzwischen einen (leider viel zu kurzen) Ausflug in die Alstadt gemacht, etliche der traumhaften Strände "ausprobiert", die größte Shoppingmall der Karibik kennen und lieben gelernt, etliche Salsabars besucht und einen Abstecher in eines der tausend Kasinos und ins Kino gemacht. Für weitere Informationen - siehe Fotoalben!