... während es in Österreich ja angeblich immer kälter wird.
Letzten Donnerstag war es wieder einmal so weit: Streik. Dieses Mal blockierte die "gegnerische" Partei für 24h sämtliche Eingänge zum Campus. Und wie könnte man die Zeit wohl besser nutzen, als zum Strand zu fahren. Dort lernte ich ein sehr nettes Mädchen aus Bayamón nahe San Juan kenne. Nachdem ich klargestellt hatte, dass ich aus Österreich und nicht aus Australien komme, fand sie mich gleich noch sympatischer. Europa ist für die meisten hier etwas faszinierendes und wer noch nicht dort war, hat es zumindest noch vor. Schon allein deshalb, weil wir Schnee haben - logischerweise etwas besonderes hier.
Um noch weiter über Österreich, Europa und Puerto Rico zu tratschen - natürlich auf Spanglish - haben wir uns für Sonntag verabredet.
Doch zunächst einmal zu Samstag: Die Franzosen und ich fuhren wieder einmal in die Altstadt, um dieses Mal El Castillo del Morro - eine imposante Festung an der Küste - genauer zu erkunden.
Zunächst fuhren wir mit dem Turistenzug durch die Altstadt (sehr amüsant) und anschließend zur Festung. Gleich neben El Morro befindet sich der alte Friedhof, in dem die ersten Siedler Puerto Ricos und weiter Berühmtheiten begragen sind. Sämtliche Gräber sind aus weißem Marmor, in der Mitte befindet sich eine Kapelle mit roter Kuppel und nur wenige Meter von der Friedhofsmauer entfernt beginnt das Meer - insgesamt ein sehr schöner Anblick. Daraufhin ging es über eine Wiese, die sich optimal zum Drachensteigen eignet, zum Eingang der Festung. Nach einer kurzen Einführung in die imperialistische Geschichte der Insel und in die Entstehung der Festung durch das Museumspersonal erkundeten wir diese fast drei Stunden lang.
Wir verbrachten den restlichen Tag in der Altstadt, wo wir auch bei einer Rumverkostung mitmachten. Hier entdeckte ich auch meinen neuen Leiblingsrum: DonQ Pasión, im Optimalfall mit Piña (also Passionsfruchtrum mit Ananas)
Wir trafen auch eine Frau, die uns zirka eine halbe Stunde lang vorjammerte, wie schrecklich die Amerikaner und noch schlimmer die Regierung sind - eine Überzeugte Anhängerin der PIP (Puertoricanischen Unabhängigkeitspartei), die, wie der Name schon sagt, für eine vollständige Unabhängigkeit der Insel eintritt.
Am Abend beschlossen wir das Nightlife der Altstadt auf eigene Faust (noch besser) zu erkunden. Unser Ziel war: Mit dem letzten Zug hin und mit dem ersten wieder retour. Fast hätten wir das auch geschafft, allerdings gaben wir gegen 5 Uhr in der Früh auf und nahmen doch ein Taxi zurück.
Nachdem Puerto Rico ja einer der Geburtsorte des Reggaetóns ist, sahen wir es quasi als Pflichtprogramm an, sich das einmal genauer anzusehen. Also gingen wir in eine der "coolsten" Reggaetón-Discos, die wir aber relativ bald wieder verließen. Das, was man als karibische Krocher bezeichnen könnte, sowie zu viele Männer mit eindeutig zu hohem Testosteronspiegel haben mich zu einem definitiven Anti-Reggaetón-Fan gemacht. Daraufhin ging es in eine Salsabar, in der gerade eine hier sehr bekannte Band live spielte. Im NuYoRicanCafe wurde - was auch sonst - wieder Salsa getanzt (obwohl ich irgendwie immer schlechter als besser werde). Nach einigen abschließenden Muffins ging es wieder zurück nach Rio Piedras, um zumindest ein paar Stunden zu schlafen bevor es wieder los ging - mit Kati nach Naranjito.
Naranjito, dessen Name sich von einer Legende über einen kleinen Orangenbaum ableitet, liegt im Inneren der Insel, südwestlich von San Juan. Nachdem ich wieder einmal feststellen durfte, dass Zeit hier besonders relativ ist und es durchaus legitim ist, 40 Minuten und mehr zu spät zu kommen, fuhren Kati, ihr Freund und ich in ein kleines Dorf in Naranjito, wo ihre Familie ein Restaurant besitzt. Dieses Restaurant ist direkt über dem Rio Plata Lago gebaut. Von mehreren Terassen aus, die sich auf unterschidlichen Niveaus befinden, hat man eine traumhaften Ausblick über den See und die umliegenden Wälder.
In diesem Ort war ich die Sensation des Tages, denn auserhalb des amerikanischen Kontinents war hier noch keiner. Somit wurde ich gleich einmal allen als "das Mädchen aus Österreich" vorgestellt: dem Freund (Rafael), der Schwester des Freundes, der Freundin der Schwester des Freundes, der Mutter, vier Tanten, drei Onkeln, diversen Cousins und Cousinen und deren FreundInnen, dem Großvater, der Mutter des Exfreundes und etlichen anderen Leuten. Ich bekam eine Führung durch die ganze Gegend und brachte ihnen einige deutsche Sätze bei, allerdings ist es für spanisch-sprechende Menschen kaum möglich ein "ch" auszusprechen. Es musste auch geklärt werden, dass die Sprache "Österreichisch" inexistent ist und dass wir wirklich Deutsch sprechen. Auch das Gerücht, dass man in Deutschland (und anscheinend dann auch logischerweise in Österreich) zum Frühstück prinzipiell Bier trinkt, wurde ausgeräumt und weiters klargestellt, dass der Hitler-Gruß in Europa nicht ganz so beliebt ist. Ich erlebte auch zum ersten Mal einen noch stärkeren und noch authentischeren puertoricanischen Slang. Französischen Siedlern ist es zu verdanken, dass Puerto Rico die einzige spanischsprachige Region ist, in der man das "r" in manchen Fällen als "l" ausspricht. Eine weitere Erschwerung - aber: Es wird, es wird...
Daraufhin sollte ich auch unbedingt mit Angeln gehen - leider ohne großen Erfolg. (Und das lag sicher an der Angel und nicht an mir!) Das Essen war - wie angekündigt - traumhaft und durch und durch puertoricanisch! Vor allem das berühmte Dessert "Tres leches" (in meinem Fall natürlich "de chocolate") ist genauso gut wie es ungesund ist - und es ist sehr, sehr ungesund.
Nachdem ich hundert Mal versichert hatte, dass ich wieder einmal komme, fuhren wir noch zu einem von Rafaels Freunden. Dort waren alle von "I am from Austria" begeistert und sie haben prompt beschlossen, nächsten Sommer nach Österreich zu reisen - mal sehen...
Ziemlich spät ging es dann wieder zurück, um endlich einmal auszuschlafen...
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